Bildbearbeitung, oder wie man aus Scheiße Gold macht.

Ein einfacher Leitfaden, für bessere Fotos und Grafiken.

Es war einmal in einer weit, weit entfernten Vergangenheit… 1990 das Große Adobe Imperium hat den Bau seiner absoluten Waffe beendet – Der Todes… Nein falscher Film. *Rogue One war gut, hust* …Es war Photoshop 1.0! Eines der mächtigsten Tools unserer Zeit, wie ich finde. Professionelle Manipulation von Fotos, oder Grafiken begegnet uns mittlerweile täglich. Wir sehen es auf Plakaten, Zeitschriften und vielen anderen Medien. Unsere Medien kommen ohne die Skills der Photoshopper kaum noch aus.

Die Realität sieht oft anders aus und die Bearbeitung ist schwer zu erkennen. Ich blättere häufig durch die Kataloge eines bekannten schwedischen Möbelhauses und versuche Original von Fälschung zu unterscheiden. Wenige wissen, dass diese Kataloge mittlerweile zu über 80% aus CGI bestehen – Computer Generated Imagery, also mit Hilfe von 3D Programmen künstlich erstellte, fotorealistische Welten. Welten, in die absichtlich Fehler eingebaut werden, um die natürliche Perfektion dieser Computerbilder zu kaschieren. Neben der Verschönerung, kann die Bildbearbeitung aber vor allem eines: Aus Scheiße Gold machen. Oberstes Gebot eines Fotografen sollte es natürlich sein, das Foto so originalgetreu wie nur möglich wiederzugeben, sollte das mal nicht funktionieren kann Photoshop natürlich viel retten. Wir Fotografen schauen dann meist etwas schief, aber sind wir mal ehrlich, es macht schon Spass…

In den folgenden Zeilen möchte ich euch ein paar allgemeine Tipps zur Aufbereitung von Bildern geben und euch zeigen, mit welchen Mitteln ihr das Umsetzen könnt. Im Prinzip bieten alle Bildbearbeitungsprogramme ähnliche Funktionen – Mal mehr, mal weniger, manche sind schwer zu erlernen. Während Photoshop zur Königsklasse gehört gibt es auch einige kostenlose OpenSource Programme, wie Paint.NET oder GIMP. Ich werde ich hier eine kurze Einführung geben, was mit Photoshop gemacht werden kann, wichtig bei der Bildbearbeitung ist: Egal mit welchem Weg ihr an das Ziel gelangt, meist kann das gleiche Ergebnis erreicht werden. Mit diesen 8 Filtern und Werkzeugen könnt ihr eure Fotos verbessern:







 

Dynamik, Sättigung

Bild zu flau, Himmel nicht blau genug? Mit dem Dynamik bzw. Sättigungsfilter kein Problem. Sättigung erhöht gleichmäßig die Intensität aller Farben im Bild, Dynamik die Farben schwach ausgeprägter Töne.


Farbtemperatur

Normalerweise regelt der automatische Weißabgleich die Farbtemperatur. Manchmal versagt er aber auch. Das Resultat sind zu warme / kühle Bilder und, oder ein magenta / grün Farbstich. Abhilfe schafft der Farbbalance Filter und die Weißabgleich-Einstellungen von Lightroom, oder einem anderen RAW-Converter.


Stempel, PFlaster, Reparaturwerkzeug

Danke für diese grandiose Erfindung. Ich denke jeder kennt die Möglichkeit in der Bildbearbeitung Stempel oder Pflaster zu benutzen, Werkzeuge, um z.B. Hautunreinheiten bei einem Portrait zu entfernen. Die Anwendung ist denkbar einfach. Entweder man zieht eine Auswahl mit der Maus und ersetzt mit einer Fläche daneben, oder man lässt Photoshop durch einen einfachen Klick bestimmen, wie die betreffende Stelle zu reparieren ist. Vor einigen Jahren kam noch ein ähnliches Werkzeug hinzu, dass mindestens genauso hilfreich ist: „Inhaltssensitiv Füllen“ [Photoshop Only] (Rechtsklick z.B. auf Auswahl, Füllen). Was tut es? Ganz einfach: Vogel, oder Flugzeug in der Luft schwupps‘ und weg. Je nach Komplexität der Szene klappt das mal besser mal schlechter, das neuste Photoshop ist allerdings sehr gut darin geworden.


Zauberstab, Schnellauswahl

Wird von vielen Programmen beherrscht und ist absolut magisch. Durch klicken wählt das Werkzeug ähnliche Bildbereiche durch Erkennung von Kontrast und Farbe aus. Super um einzelne Objekte zu markieren, oder freizustellen. Der Grad der Empfindlichkeit ist einstellbar. Die Schnellauswahl ist ähnlich, aber eher für kleinere Vorhaben, die mehr Präzision erfordern gedacht.


Zuschneiden „Cropping“

Mit dem Schnitt Werkzeug können Bilder neu zugeschnitten werden. Dabei kann man die Größe des Ausschnitts manuell ziehen oder eine Zahl (px, cm, oder Seitenverhältnis) vorgeben.


Rauschen

Ja jeder hasst Rauschen. Eigentlich. Mit dem Rauschfilter kann Rauschen effektiv entfernt werden, aber Achtung die Bilddetails können darunter leiden. Ebenso beherrscht der Filter das Hinzufügen von Körnung nach bestimmten Mustern, um z.B. einen Retro-Look zu erzeugen, oder Bildfehler zu Korrigieren. Hilfreich, wenn Elemente durch Bearbeitung matschig werden, mit Rauschen kann man das etwas kaschieren.


Gradationskurven, Kontrast, Helligkeit

Kommen wir nun zu einem mächtigen Werkzeug, der Gradationskurve. Mit ihr könnt ihr Kontrast und Helligkeit eurer Bilder steuern. Um sie zu verstehen betrachtet mal in Ruhe das beigefügte Bild. Links befinden sich Tiefen, dunkle Farbtöne, dann zentral die Mittentöne und rechts die Lichter. Oben bedeutet heller, unten Dunkel. Mit der Maus kann die Kurve verschoben, oder verbogen werden. Ebenso ist es möglich neue Achsen an der Kurve zu erstellen. Formt man beispielsweise die Kurve zu einem S (Siehe Abbildung) erhöht sich der Kontrast des Bildes, Tiefen und Spitzlichter werden stärker ausgeprägt. Umgekehrt verringert sich der Kontrast. Euer Bild ist zu hell oder zu Dunkel? Kein Problem. Formt eine entsprechende Kurve um den Fehler auszugleichen, oder ändert die Steigung.

Es braucht Zeit, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man am besten Makel XY korrigiert. Photoshop bietet neben der Gradationskurve auch noch direkt Filter für Helligkeit und Kontrast, die sind allerdings lang nicht so präzise. Nettes Gimmick der Kurve ist außerdem die Möglichkeit durch so genanntes „Crossing“ einzelner Farbkanäle einen Retro-Look mit Farbtönung zu erzeugen, Regeln gibt es hier keine.

Kleiner Tipp für einen Look – Das Hinzufügen eines SW-Filters eingestellt auf weiches Licht erzeugt einen interessanten, kontrastreichen Look. Die Intensität einzelner Farben kann über das Dialogfeld des Filters eingestellt werden. Probiert es mal aus!


Schärfen

Verwackelung, oder einfach Detailarme Fotos, schärfen hilft meistens. Hier gibt es von mir 2 Varianten. Variante A: Mittels Filtermenü den Scharfzeichnungsfilter anwenden, oder B: Die Bildebene duplizieren (STRG+J / CMD+J) und unter „Sonstige Filter“ einen „Hochpass“ verwenden. Wählt zwischen 2-5px Radius und stellt danach die Ebene auf weiches Licht. Jetzt sind alle Kanten im Bild kontrastreicher und das Bild wirkt tatsächlich knackscharf!


Das war mein kleiner Rundumschlag in die Bildbearbeitung. Ihr kennt jetzt einige Begrifflichkeiten und könnt eure eigenen Bilder aufhübschen, am besten ist es, selber mit Hilfe von Video Tutorials auf die Jagd nach neuen Techniken zu gehen und einen eigenen Stil zu entwickeln. Es gibt unzählige Wege eine Bearbeitung umzusetzen und auch ich habe immer das Gefühl nur die Spitze des Eisbergs zu kennen. Lasst eurer Kreativität einfach freien Lauf!

Interessante Tutorials im Netz findet ihr z.B.  auf video2brain.com. U.a. von Fotografen, wie Calvin Hollywood, oder Uli Steiger. Artikel zu Fotografie und Bildbearbeitung gibt es außerdem auf kwerfeldein.de. Wer Brushes, oder Texturen sucht, wird auf brusheezy.com fündig.

Ihr kennt coole Looks die einfach zu Realisieren sind? Gerne könnt ihr eure Techniken im Kommentarbereich diskutieren und teilen!

3 responses to Bildbearbeitung, oder wie man aus Scheiße Gold macht.

  1. Jan says:

    Danke für den tipp mit der SW-Ebene, funktioniert echt gut! Geile Tutorials gibts übrigens auch auf Video2Brain

  2. Meike says:

    Meistens sind Erklärungen zu Bildbearbeitung kompliziert und nicht auf meine einfacheren Bedürfnisse zugeschnitten. Aber du erklärst so, dass selbst Nicht-Kenner wie ich damit was anfangen können, sehr schön! In Zukunft werde ich bei der Bearbeitung meiner Bilder auf deine Tipps achten. :)

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